Editorial 2 / 2013
Es ist nur eine kleine Gruppe, aber sie braucht besondere Aufmerksamkeit: Mehrfachbehinderte Menschen mit Sehschädigung laufen oft Gefahr, nicht das Mass an Aufmerksamkeit zu erhalten, die sie bräuchten. Sie fahren nicht Auto, lesen nicht und melden sich auch nicht aus Eigeninitiative beim Augenarzt, wenn ihr Sehvermögen abnimmt. Wenn man nicht aufpasst, wird die schleichende Sehbehinderung nicht bemerkt. Dies hat gravierende Folgen für die Betroffenen.
Der SZB ist seit mehreren Jahren in der Forschung zur speziellen Situation mehrfachbehinderter Menschen mit Sehschädigung tätig. 2005 ermittelte eine Studie, dass rund 4’000 Menschen in Heimen oder anderen Institutionen leben, deren Sehschädigung unbemerkt ist – und unbehandelt bleibt. Menschen, die privat versorgt werden, wurden da nicht eingerechnet. Bei den Kindern ist die Zahl ähnlich: Überträgt man die Ergebnisse einer ganz aktuellen Studie aus Bayern auf die Schweiz, so können wir von schätzungsweise 6’700 Kindern in der Schweiz ausgehen, die mehrfachbehindert sind – und zusätzlich blind oder sehgeschädigt.
Von der internationalen Vernetzung des SZB profitieren jetzt auch die rund 1’200 Institutionen der Schweiz, die mehrfachbehinderte Menschen unterrichten, ausbilden oder betreuen: Aus den Niederlanden, Vorreiter auf dem Gebiet der Mehrfachbehinderung, kommen drei Filme, die sich beispielhaft dem Thema widmen und Diagnose und Rehabilitation von Kindern und Erwachsenen mit Mehrfachbehinderung und Sehschädigung aufzeigen. Alle drei Filme konnte der SZB gemeinsam mit vier Mitgliedsorganisationen auf einer DVD mit dem Titel „Wenn anders Sehen zur Herausforderung wird“ vereinen und diese auf deutsch und französisch synchronisieren. Diese DVDs werden den Schweizer Institutionen gratis zur Verfügung gestellt. Sie sind zudem ab Juni beim SZB bestellbar.
Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.
Ann-Katrin Gässlein, Redaktorin

