Blinde und sehbehinderte Menschen sind, wenn sie alleine reisen, auf die Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln angewiesen. Bei der SBB und am Flughafen Zürich ist man bemüht den Reisenden mit eingeschränkter Mobilität die Reise möglichst zu vereinfachen, ohne dabei Hilfe aufzudrängen. Um Barrieren abzubauen wird das Personal für den Umgang mit sehbehinderten und blinden Menschen geschult.

von Nina Hug

Wie führe ich eine blinde Person von einem Perron zum anderen? Wie spreche ich eine Sehbehinderte Person an, wenn ich ihr Billet zu kontrollieren habe? Und was muss ich beachten, wenn ich bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen eine blinde oder sehbehinderte Person zu kontrollieren habe? Diese Fragen stellen sich den unterschiedlichen Mitarbeitenden bei der SBB und am Flughafen. Weil die Begegnung mit Menschen mit Behinderungen nicht alltäglich ist und viele Bedenken haben, etwas falsch zu machen, schulen sowohl die Flughafen Zürich AG als auch die SBB ihre Mitarbeiter.

Eine Kundemassistentin der SBB bietet einer sehbehinderte junge Frau den Arm zum Führen an.

Foto: SBB, CFF, FFS

Ausbildung bei der SBB

Während der Grundausbildung haben alle Mitarbeitenden der SBB die im Kundenkontakt sind einen Tag Schulung zum Thema «Umgang mit Menschen mit eingeschränkter Mobilität», wobei einen halben Tag lang auf das Thema Menschen mit Sehbehinderung fokussiert wird. Hierbei ist eine sehbehinderte Person anwesend, die über ihre Behinderung spricht und erklärt, was aus Sicht eines blinden oder sehbehinderten Reisenden an Assistenz gewünscht wird. Die Auszubildenden simulieren zudem unter Dunkelbrille und mit weissem Stock die Situation eines Reisenden auf dem Perron. „Wir wollen nachvollziehbar machen, wie es für eine sehbehinderte Person ist, zum Beispiel die Tür des Zuges zu finden“ erklärt Werner Jordan, Leiter Handicap bei der SBB.

Nach der Grundausbildung finden regelmässige Refresher-Kurse für diejenigen statt, die schon im Beruf stehen. Bei diesen Kurzschulungen sind keine Betroffenen mehr eingeladen. „Hier arbeitet das Schulungspersonal mit Simulation von Situationen unter Dunkelbrille und es werden Tipps und Hinweise der Behindertenorganisationen an die Mitarbeitenden weitergegeben“, so Jordan weiter.

Eine spezielle Schulung erhalten die sogenannten Kundenassistenten (früher Mobilhelfer), die an Stützpunktbahnhöfen beim Ein- oder Umsteigen helfen. Deren Training konzentriert sich darauf, wie man sehbehinderte Personen richtig führt. Dazu ist bei den Schulungen ein Orientierungs- und Mobilitätstrainer im Einsatz.

Trotz aller Schulungen könne es vorkommen, dass Missverständnisse entstehen. Besonders schwierig, richtig zu reagieren sei es für die Mitarbeitenden, wenn eine Behinderung nicht sichtbar ist oder mehrere Behinderungen zusammen kommen. So werde zwar in den Schulungen angesprochen, dass es auch Menschen gibt, die seh- und hörbehindert sind, doch dies zu erkennen sei sehr schwierig. Es sei den SBB ein Anliegen, dass Menschen mit Behinderung wo möglich alleine und selbständig reisen können und ihr Assistenzbedürfnis selber kundtun, sagt Jordan. So wolle man niemandem vorschreiben, seine Behinderung nach aussen sichtbar zu machen. Allerdings wird es in Zukunft möglich sein, auf dem Swiss Pass individuell seine Behinderungsart zu hinterlegen.

Begleitung zum Flug

Am Flughafen Zürich stehen zwei Gruppen von Personal besonders im Fokus, wenn es um die Unterstützung von sehbehinderten und blinden Menschen auf ihrem Weg ins Flugzeug geht. Auf der einen Seite die Mitarbeiter von Careport, der Firma, die im Auftrag des Flughafens mobilitätseingeschränkte Personen zum Flugzeug begleitet. Auf der anderen Seite die Mitarbeiter an der Sicherheitskontrolle.

Die Mitarbeiter von Careport begleiten Menschen mit eingeschränkter Mobilität zum Flugzeug. Sie müssen im Falle einer Begleitung einer sehbehinderten Person also genau wissen, wie man diese führt. „Unsere Mitarbeitenden werden insgesamt neun Tage in Zusammenarbeit mit Vertretern der Behindertenkonferenz Zürich theoretisch und praktisch im Umgang mit mobilitätseingeschränkten Passagieren geschult“, erklärt Nathalie Berchtold, Communications Manager von Careport.

Für die Sicherheitskontrolle am Flughafen ist die Kantonspolizei Zürich verantwortlich. „Wir sensibilisieren unsere Mitarbeitenden, dass die Kontrolle von Personen mit eingeschränkter Mobilität sorgfältig und einfühlsam durchgeführt wird“, sagt Carmen Surber vom Mediendienst der Kantonspolizei. Die Kontrolle könne durch den Sicherheitsbeauftragten flexibel der Situation angepasst werden, solange die Kontrolle dem nötigen Standard entspreche. „Wir weisem die Mitarbeitenden an, den Fokus auf die zu kontrollierende Person und nicht auf die Behinderung zu legen. Ebenso wird instruiert, den Fluggast nach Unterstützung zu fragen sowie Ratschläge der Person zu befolgen.“

Besonderes Augenmerkt werde in der Schulung des Personals darauf gelegt, dass es für die blinde Person wichtig ist, dass die herausgenommenen Gegenstände beim wieder einpacken, am selben Ort platziert werden, wie diese angetroffen worden sind (insbesondere Medikamente). Ausserdem werde eine Kontrolle des Handgepäcks von blinden Personen wenn immer möglich in Anwesenheit eines Zeugen durchgeführt. Die Mitarbeitenden würden auch instruiert, Medizinische Hilfsmittel mit der notwendigen Umsichtigkeit zu behandeln.

Die Flughafen Zürich AG organisiert auch Schulungen für Airport-Guides und von Busfahrern zwei Mal jährlich in enger Zusammenarbeit mit der Behindertenkonferenz Zürich. „Bei der Schulung ist jeweils auch eine blinde Person anwesend, die den Mitarbeitern genau erzählen oder zeigen kann worauf es ankommt“, erklärt Philipp Bircher, Mediensprecher der Flughafen Zürich AG.

Services der SBB und des Flughafens

Anforderung Ein- und Umsteigehilfen
SBB Kundenassistenten an den Stützpunktbahnhöfen können via Telefon (bis spätestens 1 Stunde vor Abfahrt des Zuges, an manchen Bahnhöfen bis spätestens 2 Stunden vorher) beim Call Center Handicap angemeldet werden. Das SBB Call Center Handicap ist seit 1.1.2019 bis 22:30 Uhr geöffnet und unter der Gratisnummer 0800 007 102 erreichbar. Eine Ein- und Umsteigehilfe gibt es nur an Bahnhöfen, die nicht barrierefrei umgebaut wurden oder in Zürich, wo die Komplexität des Bahnhofs mit seinen Gleissystemen hoch ist. Die Liste der Stützpunktbahnhöfe ist in der Broschüre „barrierefrei unterwegs“ der SBB ersichtlich.

Begleitung zum Flugzeug
Passagiere mit eingeschränkter Mobilität werden von Mitarbeitern von Careport ab dem Pick-Point in der Check-In Halle 3 des Flughafens zum Flugzeug begleitet. Dort kann auch das Gepäck aufgegeben werden. Um diesen kostenlosen Service in Anspruch nehmen zu können, müssen sie den Unterstützungsbedarf spätestens 48 Stunden vor Abreise dem Reisebüro oder der Airline mitgeteilt haben. Auch Blindenführhunde dürfen im Flugzeug mitreisen, wenn sie zuvor angemeldet wurden.

Jährlich werden in Zürich rund 250’000 Personen mit eingeschränkter Mobilität von Careport-Mitarbeitern zum Flugzeug begleitet.