«Vision 2023» – Internationaler Low Vision Kongress in Denver, ­Colorado

Bericht von Kirsten Wahren-Krüger, Dipl.-Pädagogin, Orthoptistin, Michigan

Die 14. internationale Konferenz der «International Society for Low Vision Research and Rehabilitation» (ISLRR) fand in diesem Jahr vom 24.-27. Juli 2023 in Denver, Colorado statt. Damit waren nach über zwei Jahrzehnten einmal wieder die USA das Austragungsland dieser multidisziplinären Konferenz für alle im Arbeitsfeld Low Vision Tätigen.
Nach gut zwei Jahren Corona-Krise war dies eine Präsenzveranstaltung und das Bedürfnis nach kollegialer Begegnung und persönlichem Austausch war deutlich zu spüren. Gastgeber der Konferenz waren die «University of Colorado Department of Ophthalmology» in Aurora, CO sowie das «Anchor Center for Blind Children» in Denver, CO.
Entsprechend dem diesjährigen Konferenz-Motto «Low Vision Rehabilitation Across the Life Span» wurde jede Personengruppe mit Low Vision berücksichtigt, vom Kleinstkind- bis zum Senior*innenalter. Dem im Vorhinein vom Organisationskomitee angekündigten Versprechen, ein inhaltlich ausgewogenes und zugleich komplexes Programm zu bieten, wurde nachgekommen: Vorträge, Seminare, Industrieausstellung und Poster-Präsentationen widmeten sich verschiedensten Themenbereichen von visuellen Wahrnehmungsstörungen, digitalen Techniken oder Fragen der Hilfsmittel-Versorgung über neueste medizinischen Erkenntnisse bis hin zum Einfluss von Sehschwierigkeiten auf die psychosoziale Entwicklung.

Das Bild zeigt die Panel-Diskussion am internationalen Low Vision Kongress in Denver.
Panel-Diskussion am 24.03.2023: «Complicated questions in Low Vision Rehabilitation» mit (von li. nach re.) Katelyn Jordan, OD; Dawn DeCarlo, OD, PhD; Suleiman Alibhai, OD; Judith ­Goldstein, OD; Carolyn Ihrig, OD, Vision 2023, ­Denver, CO

Besondere Schwerpunkte
Zwei Themenkomplexe waren meinem Eindruck nach besonders stark vertreten: Grossen Raum nahm der Themenbereich «Low Vision and the Brain» und weiter der Komplex kindlicher visueller Wahrnehmungsstörungen ein. Besonders der Montag, angeführt von Prof. Dr. Bernhard Sabel, Institut für Medizinische Psychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, widmete sich Fragen der neurovisualen Rehabilitation und z. B. der Möglichkeiten der Behandlung von Sehdefekten bei Schlaganfall- und Glaukom durch Training und nicht-invasive Elektrostimulation.
Im habilitativen Bereich war das Thema Diagnostik und Therapie Cerebraler Wahrnehmungsstörungen (CVI) von besonderem wissenschaftlichen Interesse. Hier stach in qualitativer Hinsicht der Hauptvortrag von Dr. Lotfi Merabet (Department of Ophthalmologie der Harvard Medical School in Boston, MA): «Assessing Visual Perceptual Dysfunction in Early Brain-based Visual Impairment» besonders hervor mit Informationen über neue Diagnostiktechniken im Hinblick auf die Bedeutung für das Verständnis von visuellen Verarbeitungsprozessen bei CVI.

Demgegenüber war das Thema des Einsatzes optischer Sehhilfen zwar nach wie vor von Bedeutung, vor allem aber dominierten jetzt die digitalen Formate. In vielen vorgestellten Studien ging es darum, welche Möglichkeiten und Chancen die Verwendung von Apps und Computertechniken bei Kindern und Erwachsenen mit Sehbeeinträchtigungen zur Diagnostik und Rehabilitation bietet, verbunden u. a. mit der Frage, ob virtuelles Training genauso effektiv sei wie ein Training von Person zu Person.
Im Vordergrund medizinischer Beiträge standen z. B. neueste Ergebnisse zur Gentherapie bei erb-lichen Netzhauterkrankungen oder auch ein Ausblick auf die Forschung zur Stammzellentherapie bei Netzhautdegenerationen.

Was hat mir besonders gefallen?
Das Kongressprogramm wurde abgerundet mit der Verleihung des Lifetime Achievement Awards an Dr. August Colenbrander vom Smith-Kettlewell Eye Research Institut in San Francisco, CA. In einer zweistündigen Zeremonie würdigten Mitglieder der «International Society for Low Vision Rehabilitation Research (ISLRR) seine über 40jährige Pionierarbeit auf dem Gebiet von Low Vision Rehabilitation.
Über 500 Teilnehmende aus 30 Ländern bekamen mit der «Vision 2023» in vier Tagen eine gelungene Konferenz geboten, bei der in wohltuender Weise trotz allem aktuellen Know-How stets der einzelne Mensch mit Low Vision in seinem jeweiligen Lebenskontext mit der Notwendigkeit individueller Zugangsweisen in den Blick ­genommen wurde. Insgesamt «89 Hours of Education» – wie Dr. Dawn DeCarlo am Ende resümierte – überzeugten vor allem in der Ausgewogenheit der Themenangebote.
Damit darf die nächste, «15th International Conference on Low Vision Research and Rehabilitation» mit ihrem Motto «Equal Opportunities, Unique Experiences» vom 8.-12. September 2025 in Florenz, Italien, mit Spannung erwartet werden.


Kommende Internationale Low Vision Konferenz
8.-12. September 2025 in Florenz, Italien


Aus dem SZBLIND Kursprogramm Deutschschweiz

Mit unseren Weiterbildungskursen ermöglichen wir Fachpersonen, dass sie Menschen mit Sehbeeinträchtigungen gemäss neustem Wissensstand unterstützen können. Sämtliche Details zu allen Kursen finden Sie auf unserer Homepage https://www.szblind.ch/fuer-fachpersonen/kurse-und-weiterbildungen

Gerne machen wir Sie auf folgende Kurse der kommenden drei Monate aufmerksam:

– iPad in der Schule / SZBLIND-Kurs 1547
– Smartphone Kurzschulung «Das Potential von Smart-Watches» / SZBLIND-Kurs 1545.1
– Netzwerk der Sinne / SZBLIND-Kurs 1543
– Tagung LV / SZBLIND-Kurs 1546