Technische Fortschritte bei der Laserbehandlung

Mit dem Laser können bestimmte Sehbeeinträchtigungen wirkungsvoll behandelt werden.

Von Dr. David Tabibian und Dr. Kate Hashemi*

Die Lasertechnik bietet heute ein umfangreiches Behandlungsspektrum bei Augenkrankheiten, ihrer Stabilisierung oder der Vermeidung von Komplikationen, die bei einigen Augenkrankheiten auftreten können. Zwar wird sie nach wie vor am häufigsten bei Laserbehandlungen der Hornhaut zwecks Sehkorrektur verwendet, doch immer öfter kommt sie auch bei der Behandlung verschiedener anderer Sehbeeinträchtigungen zum Einsatz. Wie, zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Ziel wird sie eingesetzt?

Bei der LaserbehanBild_tactuel_Schwerpunkt_2dlung von Augenkrankheiten wurden in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte erzielt – sowohl bezüglich der Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten wie auch hinsichtlich der technischen Entwicklung. Heute können dank dieser Fortschritte verschiedene Krankheiten behandelt und die Sehkraft von PatientInnen verbessert werden. Weltweit arbeiten zahlreiche staatliche und private Forschungsgruppen daran, diese Technik in verschiedenen Disziplinen weiter zu perfektionieren.

Der Laser findet derzeit in der Augenheilkunde vielfältigen Einsatz, und zwar in sämtlichen Bereichen des Auges, von der Hornhaut über die Netzhaut bis hin zur Linse oder dem Kammerwinkel. Darüber hinaus gibt es verschiedene Lasertypen, die sich bezüglich ihrer Wellenlänge und der Art des Anregungsmediums, über das der Laser das Licht emittiert, unterscheiden. Gewisse Laser ermöglichen ein Aufbrechen der Molekülverbindungen durch Ablation, bei anderen wiederum wird die anvisierte Region, je nach Indikationsstellung durch den Arzt, entweder gezielt verbrannt oder aufgetrennt.

Die Hornhaut

Bei der refraktiven Chirurgie wird der Laser zur Korrektur von Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Hornhautverkrümmung verwendet. Dabei wird die Krümmung der Hornhaut – die transparente Schale auf der Augenoberfläche – so verändert, dass die PatientInnen ohne optische Korrekturhilfen wie Brillen oder Kontaktlinsen wieder scharf sehen können. Möglich ist dies dank des LASIK- und des PRK-Verfahrens, bei denen zwei verschiedene Laserarten eingesetzt werden. Darüber hinaus ist heute dank des Laserverfahrens auch die Presbyopie (Alterssichtigkeit) behandelbar, sodass die PatientInnen wieder brillenfrei lesen können. Es werden derzeit zahlreiche Behandlungsprotokolle entwickelt, um noch bessere Sehergebnisse zu erzielen. Nebst Sehkorrekturen ermöglicht die Laserbehandlung auch die Beseitigung bestimmter Hornhautvernarbungen, die beispielsweise nach einer Infektionserkrankung oder einem Trauma auftreten können und zu erheblichen Sehverlusten führen. Dabei wird die Hornhautoberfläche behandelt und das Narbengewebe beseitigt oder die Narbendicke verringert, um die Sehfähigkeit wiederherzustellen. Weiter lassen sich in Fällen, in denen eine medikamentöse Behandlung nicht anschlägt, mittels Laser hornhautbedingte chronische Schmerzen lindern. Einige Erkrankungen, wie die rezidivierende Hornhauterosion (wiederkehrender Hornhautepitheldefekt), sprechen sehr gut auf die Laserbehandlung an, die den PatientInnen schon nach einer Behandlungsrunde Linderung verschaffen kann.

Der graue Star

Im Zuge der Einführung der Laserbehandlung ist die Operation des grauen Stars (Katarakt) wieder ein Thema geworden. Gewisse Operationsschritte, wie die ersten chirurgischen Einschnitte und die Linsenfragmentierung (schonende Zertrümmerung der getrübten Linse), können nun mithilfe des Lasers vorgenommen werden. Der Rest der Operation ist aber nach wie vor Aufgabe des Chirurgen, der die getrübte Linse entfernt und an ihrer Stelle eine neue künstliche Linse einsetzt, welche die Fehlsichtigkeit korrigiert. Bis heute gibt es nach wie vor kaum klar definierte Indikationen für den Einsatz von Lasern in der Kataraktchirurgie, und die Technik entwickelt sich ständig weiter. Jüngste Studien weisen aber darauf hin, dass sie künftig in der Augenchirurgie ihren festen Platz haben werden.

Der grüne Star

Beim grünen Star (Glaukom) kommt es zu einer Schädigung des Sehnervs, die innerhalb einiger Jahre eine fortschreitende Einschränkung des Gesichtsfeldes nach sich zieht. Dank der Fortschritte bei den erwähnten technischen Verfahren kann heute unter bestimmten Voraussetzungen auch das progressive Glaukom behandelt werden (unter anderem mithilfe der selektiven Laser-Trabekuloplastik). Das Behandlungsziel besteht darin, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und die Anwendungsfrequenz bei der täglichen Gabe von Augentropfen oder die Häufigkeit von chirurgischen Eingriffen zu verringern bzw. diese ganz zu vermieden. Gewisse Eingriffe können bei dieser Behandlungsmethode bei Bedarf wiederholt werden, bis das gewünschte Ergebnis erreicht wurde.

Die Netzhaut

Bei diabetischen oder anderen gefässbedingten Netzhauterkrankungen kommt häufig die Lasertechnik zum Einsatz, um eine Stabilisierung der Krankheit zu erreichen und Komplikationen vorzubeugen, welche die Sehkraft beinträchtigen könnten. Meist sind für eine umfassende Behandlung, bei der viele Laserherde gesetzt werden müssen, mehrere Therapiesitzungen notwendig. Die neusten Laser ermöglichen unter Anwendung bestimmter Behandlungsschemata eine systematische Behandlung grösserer Netzhautflächen. Dadurch kann die Behandlungszeit verkürzt und das Wohlbefinden der PatientInnen gesteigert werden. Mit bestimmten neuen Laserarten wird unter Aufsicht des Arztes gar die vollständige Programmierung und Automatisierung der Behandlungsschritte möglich.

Was die Zukunft bringt

Der Einsatz der Lasertechnik in der Augenheilkunde entwickelt sich ständig weiter und bekommt in dieser Disziplin einen immer höheren Stellenwert. Ziel ist stets die Behandlung bestimmter Erkrankungen und eine dadurch verringerte Sehbeeinträchtigung der PatientInnen. Mit ihrer Hilfe soll aber auch Komplikationen vorgebeugt werden, die bei bestimmten Krankheiten auftreten können. Dank der neuen Systeme können die ChirurgInnen die Laser für die Behandlung immer besser programmieren und müssen immer weniger selber eingreifen. Die künftigen Entwicklungen gehen in Richtung einer Verfeinerung der bestehenden Verfahren, bei denen der Mensch wahrscheinlich weniger und weniger selber eingreifen, aber dennoch präsent sein wird.

 

* Dr. David Tabibian ist Chefarzt an der Augenklinik Jules-Gonin in Lausanne.

* Dr. Kate Hashemi ist Oberärztin an der Augenklinik Jules-Gonin in Lausanne.