Indien im Fokus

Eines der zentralen Themen in Arundhati Roys neuem Roman „Das Ministerium des äussersten Glücks“ ist der Kaschmirkonflikt in dem sich Hindus und Muslime gegenüberstehen. Roy zeigt hier exemplarisch, wie brutal der indische Staat gegen das eigene Volk Krieg führt. Der Roman ist die Summe ihrer Essays der vergangenen zwanzig Jahre über Umsiedlung, Umweltzerstörung, Krieg und ihre immer offen gezeigte politische Haltung.

Der Romanerstling der jungen indischen Aktivistin und Autorin Meena Kandasamy basiert auf Ereignissen, die sich 1968 in einem Dorf im damaligen Madras zutrugen. Dutzende arme Landarbeiter aus der Kaste der Unberührbaren wurden massakriert, weil sie für eine Erhöhung ihrer Tagesration Reis protestierten. Kandasamy erzählt die schreckliche Geschichte aus mehreren Blickwinkeln, in einer sprunghaften, bisweilen wütenden Sprache.

Shumona Sinha ist eine indische Schriftstellerin, die seit vielen Jahren in Paris lebt. Für den autobiografisch gefärbten Roman „Kalkutta“ kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück. Ihre Hauptfigur erforscht die dunkle Geschichte ihrer Familie, die mit der blutigen Auseinandersetzung zwischen indischen Kommunisten und Kongresspartei in den 60er Jahren verknüpft ist. Das Politische wird hier zum Privaten, die Vergangenheit spiegelt sich in der Gegenwart: eine Mischung aus Wut, Scham und Schweigen, die bis heute gärt.

  • Roy, Arundhati: Das Ministerium des Äussersten Glücks. Berlin: Argon Verlag, 2017. Ausleihe: DS 36560
  • Kandasamy, Meena: Reis & Asche. Heidelberg: Wunderhorn, 2016. Ausleihe: DS 36677
  • Sinha, Shumona: Kalkutta. Hamburg: Edition Nautilus, 2016. Ausleihe: DS 36617

Braille-Tipp

Im Juli 1816 lief die Fregatte Medusa vor der Küste Afrikas auf Grund. Weil nicht genügend Rettungsboote vorhanden waren, wurde ein Floss für 150 Menschen gezimmert. Die Rettungsboote überliessen das Floss seinem Schicksal. Es entbrannte ein grausamer Kampf – nur 15 Menschen überlebten. Sie hatten sich vom Fleisch der Leichen ernährt. In seinem preisgekrönten Roman „Das Floss der Medusa“ formt der österreichische Autor Franzobel den vielschichtigen Mythos der Schiffskatastrophe zur bitterbösen Parabel.

  •  Franzobel: Das Floss der Medusa. Paul Zsolnay Verlag, 2017. 7 Bd. 937 S. Ausleihe: BG 27536