Fachliteratur im Sehbehindertenwesen 2 / 2013
Hirnphysiologische Erkenntnisse aus 10 Jahren
Die Sammlung „CVI – Cerebral Visual Impairment: Zerebrale Visuelle Verarbeitungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Aufsätze aus 10 Jahren“ enthält Beiträge von Gordon N. Dutton und seinen Mitarbeitern. Sie gibt damit einen – schon fast historischen – Überblick über die hirnphysiologischen Erkenntnisse zu CVI und deren Auswirkungen auf betroffene Kinder.
Dutton, Gordon N. CVI – Cerebral Visual Impairment : Zerebrale Visuelle Verarbeitungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen – Aufsätze aus 10 Jahren, Würzburg : Edition Bentheim, 2013
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Über manuelle und andere Fertigkeiten
Mehrere DVDs zeigen, wie sich manuelle und lebenspraktische Fertigkeiten bei blindgeborenen Kindern entwickeln. Manuelle Fertigkeiten beinhalten Leistungen wie einen Gegenstand ergreifen, mit ihm hantieren oder mit Gegenständen etwas bauen. Lebenspraktische Fertigkeiten beziehen sich auf Tätigkeiten wie mit einem Löffel essen oder aus einer Tasse trinken. Es wird in den Filmen verdeutlicht, über welche kompensatorischen Möglichkeiten blindgeborene Kinder verfügen, diese manuellen und lebenspraktischen Fertigkeiten zu erwerben.
Brambring, Michael. Entwicklungsbesonderheiten blindgeborener Kinder : Entwicklungsbereich 2: Feinmotorik, Manuelle und lebenspraktische Fertigkeiten. Würzburg : Edition Bentheim, 2013.
Weitere Neuanschaffungen der SZBLIND-Fachbibliothek mit ausführlicher Beschreibung finden Sie auf der Website: www.szblind.ch/angebot/fachbibliothek.html
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Wird Sehbehinderung mit Demenz verwechselt?
von Stefan Spring
Zwischen den verschiedenen Arten von Sehbehinderung und Demenzerkrankungen gibt es einige ungelöste Fragen. So können im Verlauf einer Demenzerkrankung altersbedingte oder krankheitsbedingte Sehbeeinträchtigungen auftreten oder sich verstärken. Wenn Betroffene dies aber nicht ausdrücken können, ist eine Abklärung und Behandlung nicht möglich. Dann können Menschen, die bereits mit einer Sehbeeinträchtigung leben, im Alter an Demenz erkranken. Wenn sie nicht behandelt werden, kann das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, sogar steigen. Und nicht zuletzt gibt es Gemeinsamkeiten bei Merkmalen beider Erkrankungen – die dazu führen können, dass eine Sehbeeinträchtigung mit einer Demenz verwechselt wird, oder umgekehrt. Solche Merkmale sind beispielsweise Schwierigkeiten bei der Orientierung, beim Fnden abgelegter Gegenstände, bei der Erfassung von Bildern als Einheit oder beim Erkennen von Personen.
Sowohl altersbedingte Seh- wie auch Hörbeeinträchtigungen werden in vielen Fällen durch die Betroffenen über Jahre hinweg verneint oder kaschiert. Liegt dann eine Vermutung für eine beginnende Demenz vor, können Indizien einer Sinnesbeeinträchtigung vielleicht allzu schnell in eine falsche Richtung gedeutet werden. So besteht das Risiko einer falsch gewichteten Diagnose; und eine genaue Abklärung, rehabilitative Beratung und eine mögliche Versorgung mit Hilfsmitteln werden verpasst.
Der SZBLIND hat daher das Institut Alter der Berner Fachhochschule beauftragt, bis Herbst 2013 diese Fragen abklären zu lassen. Im Anschluss wird der SZBLIND zusammen mit Partnerorganisationen prüfen, ob das Thema „Sehbehinderung und Demenz“ eine vertiefende und genauere Studie braucht.

