Chef der „Blindenkuh“ will neuer Präsident werden
Auf der Delegiertenversammlung des SZB wird ein neuer Vorstand gewählt.
Alle vier Jahre finden die Gesamterneuerungswahlen des SZB-Vorstands statt. Am 15. Juni 2013 ist es wieder soweit. Statutengemäss besteht der Vorstand aus mindestens sieben, maximal jedoch aus elf Personen. Auf der Kandidatenliste stehen neun Männer und drei Frauen, viele bekannte, aber auch einige neue Gesichter.
von Ann-Katrin Gässlein
Nach 24 Jahren im Vorstand des SZB hat Dr. André Assimacopoulos seinen Rücktritt als Präsident erklärt. Als Nachfolger hat sich der bisherige Vize-Präsident, Stephan Zappa, in Stellung gebracht.
Im Visier: das Präsidentenamt

Stephan Zappa bei einer Ansprache auf der Preisverleihung Canne blanche 2011 in Basel. Der 53-jährige Geschäftsführer der Stiftung Blind-Liecht und einer eigenen Beratungsfirma kandidiert für das SZB-Präsidium.
Bild: SZB
Zappa ist seit 2004 im Vorstand des SZB. Der 53-jährige ist sein eigener Chef: Er leitet die Firma Zappa Beratung Schulung Projektentwicklung GmbH und ist geschäftsführender Präsident der Stiftung Blind-Liecht, die in Zürich und Basel vor allem durch das Restaurant „Blindekuh“ bekannt ist. 2007 erhielt er den Preis des Swiss Socialentrepreneur Awards. Im Schweizer Blindenwesen ist er sehr gut vernetzt, auch durch seinen Einsitz im Stiftungsrat der Schule für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche Zollikofen und in der Stiftung zur Förderung einer behindertengerechten baulichen Umwelt. Im Präsidentenamt will er nicht nur Lobbyarbeit übernehmen, sondern verfolgt auch ökonomische und strategische Änderungen: „Das strukturelle Defizit des SZB muss minimiert werden, und die Kooperation mit privaten Unternehmen möchte ich fördern“, beschreibt Zappa seine Ziele. Dass sich die Dachorganisation gesellschaftlich und berufspolitisch für eine bessere Durchsetzung des Gleichstellungsartikels einsetzt, ist für ihn selbstverständlich. Und das Blindenwesen soll gegenüber der Öffentlichkeit, aber auch gegenüber der Invalidenversicherung IV und dem Bundesamt für Sozialversicherungen BSV eine stärkere Position erhalten.
Neueinstieg ist vorstellbar
Ihren aktuellen Direktor schickt die Association pour le bien des aveugles et les malvoyans ABA ins Rennen – für den SZB-Vorstand wäre er ein neues Gesicht: Louis Moeri (53) studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Genf. Ihm liegt vor allem am Herzen, „eine starke Verbindung zwischen der Deutsch- und der Westschweiz zu schaffen“. Ebenfalls neu für den Vorstand kandidiert Stefan Kaune, katholischer Theologe, Betriebswirt und aktueller Geschäftsführer der Sehbehindertenhilfe Basel. Vor dem Hintergrund seiner beruflichen Tätigkeit bringt er vor allem das Thema Informatik und Berufseingliederung auf die Agenda: „Auch die Themen und Anliegen der nicht-organisierten sehbehinderten oder blinden Berufsleute müssen wir berücksichtigen, genau wie diejenigen der Fachhilfe.“ Kaune möchte einen Beitrag leisten, um die „Gesamtkoordination im Sehbehindertenwesen“ zu verbessern, damit letztlich „mehr politische Schlagkraft“ entsteht.
Der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband SBV schlägt neu den pensionierten Informatiker und Betriebswirt Christian Hugentobler (61) vor: Er möchte vor allem die Leistungen der Dachorganisation ins Bewusstsein ihrer Mitglieder rücken und „bekannt machen, was der SZB macht und wofür er sich einsetzt“. Der Agrar-Ingenieur und Raumplaner Fabio Züger (56) ist in der Verwaltung des Kantons Tessin tätig und koordiniert dort die Ausbildung der Informatiklehrlinge. Als Vorstandsmitglied der Unitas ist ihm eine Vernetzung in die italienischsprachige Schweiz wichtig. Eine Kandidatur aus eigener Initiative ist die 62-jährige Marija Barsic, Krankenpflegerin mit Universitätsabschlüssen in Theologie, Philosophie, Klavier und Harfe. Barsic ist taubblind und seit zehn Jahren Mitglied des SZB-Benutzerforums für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen. Sie möchte ihre konkreten Erfahrungen einbringen und „eine Sensibilisierung im Zusammenhang mit der doppelten Sinnesbehinderung und deren Folgen für das künftige sozialpolitische Wirken des SZB“ erreichen.
Kein Gedanke ans Aufhören
Viele andere treu gediente Vorstandsmitglieder haben sich für eine erneute Kandidatur entschlossen. Unter den sehbehinderten und blinden Kandidatinnen und Kandidaten sind dies beispielsweise der 68-jährige Jurist Claude Voegeli: Er will sich dafür einsetzen, dass auch Minderheiten wie Menschen mit Mehrfachbehinderung oder seltenen Erkrankungen Aufmerksamkeit zukommt, und er möchte „einen besseren Austausch mit Vertretern medizinischer Berufe“. Die Primarlehrerin und Erziehungswissenschaftlerin Helene Zimmermann (60) wird erneut vom Schweizerischen Blindenbund für den Vorstand vorgeschlagen. Sie setzt unter anderem einen Schwerpunkt „für eine bessere Zugänglichkeit von digitalen Dokumenten im Bildungsbereich“ und engagiert sich „für den Zugang zu elektronischen Wahlen mindestens für Testphasen“. Auch der Mathematiker, Jurist und Kriminologe Remo Kuonen (61), der im Bundesparlament tätig ist, ist für ein erneutes Engagement gerüstet: An dem regen Informationsaustausch im SZB-Vorstand will er selbst teilhaben, „um meine eigenen Erfahrungen als Präsident und Mitglied von Einrichtungen im Sehbehindertenwesen einbringen zu können“.
Seit 2009 ist der Direktor des Heilpädagogischen Schul- und Beratungszentrums Sonnenberg in Baar, Thomas Dietziker (54), Mitglied im SZB-Vorstand. Dietziker hat eine breite Führungserfahrung und ist nicht nur im nationalen Bildungsbereich, sondern auch international sehr gut vernetzt. Ebenfalls erneut kandidiert der selbstständige Low Vision-Trainer Fritz Steiner (66), portiert von Retina Suisse. Als aktuellen Schwerpunkt nennt er, die „Entwicklungen zu beobachten, die mit der Einführung des Nationalen Finanzausgleichs NFA verbunden sind, und sofern Dienstleistungen für Kinder mit Sehbehinderung gefährdet sind, zu intervenieren“. Norbert Laurent (69), erneut vorgeschlagen von der Blindenschule Zollikofen und bisheriger Quästor, betont den finanzpolitische Verantwortung des Vorstands, wenn er „die Umsetzung der gesteckten Ziele, wie die Senkung des strukturellen Defizits und die Verbesserung der Finanzlage des SZB“ nennt. Auch mit der Heilpädagogin und Low Vision-Fachfrau Isabelle Mathis, vorgeschlagen vom „Asile des Aveugles“, kandidiert ein bekanntes Gesicht erneut: Sie möchte ihr besonderes Augenmerk auf die Massnahmen zugunsten blinder und sehbehinderter Kinder mit Mehrfachbehinderung richten.
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Der Vorstand des SZB ist paritätisch zusammengesetzt. Es sollen annähernd gleich viele Personen sehend und sehbehindert, bzw. blind sein, mit höchstens einem Platz Unterschied. Seit dem Inkrafttreten der aktuell gültigen Statuten im Januar 2005 gibt es eine Beschränkung der Amtsdauer auf zwölf Jahre – jede Kandidatin, jeder Kandidat kann damit lediglich zweimal wiedergewählt werden.

