Willkommen 1/2026
Wohnen darf nicht anstrengend sein
Liebe Leserschaft
Was für viele nur unpraktisch ist, wird im Alter schnell zur Belastung. Wenn Sehen und Hören nachlassen, entscheidet die Gestaltung von Wohnraum über Sicherheit und Selbstständigkeit. Dieses Heft zeigt, warum Wohnen dann neu gedacht werden muss.
Stellen Sie sich vor: Nach einer Renovation in Ihrem Schlafzimmer befindet sich der Lichtschalter plötzlich höher oben, auf Schulterhöhe. Er funktioniert – das Licht geht an. Aber es passt einfach nicht. Jedes Mal strecken Sie sich, tasten daneben, treffen ihn erst beim zweiten Versuch. Es ist zwar kein Drama, aber es nervt einfach. Und es kostet Energie. Solche Situationen machen etwas Grundsätzliches deutlich: Unpraktisch heisst anstrengend. Und Anstrengung wird im Alter schnell zur Belastung. Besonders dann, wenn Sehen und Hören gleichzeitig nachlassen. Wohnen wird dann nicht nur zur Frage von Quadratmetern, sondern von Orientierung, Sicherheit und Selbstständigkeit.
Dieses Heft widmet sich dem Schwerpunkt «Wohnen im Alter mit einer Seh- und Hörsehbeeinträchtigung». Es geht um Räume, in denen man gut wohnen kann – oder eben nicht. Und um Entscheidungen, die zu spät, rechtzeitig oder bewusst getroffen werden.
Eva Schmidt zeigt im ersten Beitrag, warum hindernisfreie Architektur trotz klarer Normen oft Stückwerk bleibt. Es geht um Licht, Kontraste und Treppen – und um fehlenden Vollzug. Felix Bohn erklärt im Interview, weshalb viele Lösungen bekannt und günstig sind, sich aber dennoch nicht durchsetzen. Seine Analyse zeigt: Die grössten Hürden sind strukturell, nicht technisch.
Das Porträt von Therese Dumas erzählt von einem selbstbestimmten Wohnentscheid mit 87 Jahren. Kein Notfall, kein Druck – sondern eine bewusste Weichenstellung, mit klaren Grenzen zwischen Hilfe und Bevormundung. Alexander Seifert ordnet diese Fragen wissenschaftlich ein. Er zeigt, warum frühe Entscheidungen entscheidend sind und weshalb Sehbeeinträchtigung im Alterswohnen noch zu wenig mitgedacht wird.
Alle vier Perspektiven kreisen um dieselbe Frage: Wie lässt sich Wohnen so gestalten, dass es auch noch funktioniert, wenn nicht mehr alles funktioniert? Diese Ausgabe gibt darauf keine einfachen Antworten. Aber sie zeigt, wo angesetzt werden kann – konkret, nüchtern und nah am Alltag.
Neu zu denken gilt es heute mehr denn je. So prüft der SZBLIND momentan, wie Inhalte aus dem Sehbehindertenwesen künftig zeitgemäss vermittelt werden können. Im Juli 20
Kathrin Schellenberg, Chefredaktorin tactuel

