Gartenliteratur

«Wenn du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen», wusste schon Cicero vor über 2000 Jahren. In den Vorstellungen vieler Kulturen und Religionen
ist das Paradies ein blühender Garten, und jeder irdische Garten ist somit immer auch ein Modell des paradiesischen Glücks. Setzen wir uns also mit einigen Büchern in den Garten oder auf den Balkon und beobachten einige Schriftsteller beim Gärtnern. Dichter und Gärtner sind ja seelenverwandt. Die einen pflegen die Pflanzen, der anderen die Sprache. Der Garten findet auch als Symbol Eingang in die Dichtung. Klassisches Beispiel ist Goethes «Wahlverwandtschaften», ein Roman, kunstvoll durchgestaltet, wie der darin beschriebene Park. Ein Grossgärtner und wahrer Gartenkünstler war André Le Nôtre. Für den Sonnenkönig Ludwig XIV. entwarf er den Park von Versailles. Érik Orsenna, Mitglied der Académie Française, zeichnete das faszinierende «Portrait eines glücklichen Menschen », der dem «Chaos» der Natur mit einem riesigen Arbeiterheer eine blühende Geometrie abringt. Unseren bürgerlichen Dimensionen entsprechen eher Eva Demskis «Gartengeschichten », in denen Unkraut seinen Platz behauptet und zufällig Herbeigewehtes sich entfalten kann. «Beim Graben grübeln» schreibt Demski und hebt das Nachdenkliche der Gartenarbeit als charakterprägend hervor. Der Literaturwissenschaftler Robert Harrison geht in seinem Buch «Gärten. Ein Versuch über das Wesen der Menschen» weiter, indem er das Kultivieren als zivilisatorische Errungenschaft schlechthin begreift und in grossen historischen Bögen aufzeigt, dass die Vertreibung aus dem Paradies notwendig war, damit wir uns, sinnbildlich, um unsere Gärten kümmern.

  • Johann Wolfgang Goethe: Die Wahlverwandtschaften.Ausleihe: DS 5506, Verkauf: DY22572, CHF 14.80,
  • Eva Demski: Gartenge schichten. Ausleihe: DS 20345
  • Érik Orsenna: Portrait eines glücklichen Menschen. Ausleihe: DS 20376
  • Robert Harrison: Gärten.Ausleihe: DS 21230,Verkauf: DY12380, CHF 43.–

Der Geruch der Erinnerung
Der Geruchssinn ist der animalischste und zugleich der chemisch komplexeste unserer Sinne. Er ist bei Geburt bereits voll entwickelt und am stärksten mit unseren Gefühlen verbunden. Gerüche wecken Erinnerungen. Über den Geruchssinn entwickelt sich der Geschmackssinn. Beide sind fundamental beim Essen. Und natürlich beim Kochen. Molly Birnbaum wollte Köchin werden, als sie nach einem Autounfall Geruchsund Geschmackssinn verlor. Anosmie lautet der Fachbegriff. Erstaunlich viele Menschen sind davon betroffen. Sie riechen wenig oder gar nichts. In den meisten Fällen lässt sich der Mangel nicht mehr beheben. In «Der Geruch der Erinnerung» erzählt Birnbaum, wie sie ihrem Geruchssinn nachspürte, wie sie unermüdlich andere Betroffene und Experten traf, um dem Geheimnis der Düfte auf die Spur zu kommen – und wie sie schliesslich wieder riechen und schmecken lernte. Ausleihe: BG 20571 / Verkauf: PS 12596, CHF 32.90

Die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte SBS in Zürich verleiht Hörbücher, Bücher und Musikalien in Blindenschrift, Grossdruckbücher, Hörfilme und tastbare Spiele an blinde und sehbehinderte Menschen. Weitere Informationen: www.sbs.ch