Aus dem SZBLIND 2/2026
Vier Abschiede, viele Spuren:
Eine Würdigung ehemaliger SZBLIND-Vorstandsmitglieder

Bild: Damian Imhof
Von Carmelina Castellino, Direktorin der Blindenschule Zollikofen und Vorstandsmitglied des SZBLIND
Im Vorstand des SZBLIND hat 2026 ein grösserer personeller Wechsel stattgefunden. Vier Persönlichkeiten sind aus dem strategischen Gremium ausgeschieden – Menschen, die den Verband über Jahre hinweg mit Leidenschaft, Haltung und echtem Herzblut geprägt haben.
Ihre Tätigkeiten im Vorstand des SZBLIND waren vielfältig – ihre Wirkung bleibt.
Ein Rückblick auf die vier Persönlichkeiten.

Antonella Bertolini Kocagöncü
Die italienischsprachige Schweiz war im Vorstand des SZBLIND in den vergangenen Jahren stets vertreten – und dies nicht nur auf dem Papier. Besonders deutlich zeigte sich dies jeweils an der Vorstandssitzung vor der Delegiertenversammlung, die traditionell mit einem gemeinsamen Abendessen im Kursaal endet. Dort hatte sich eine «italienische Tischecke» etabliert, wo nicht nur die Tessinerin und die beiden «Secondi» plauderten und lachten. Antonella Bertolini Kocagöncü, 2021 als Vertreterin der Unitas, der Tessiner Sektion des sbv, in den Vorstand gewählt, engagierte sich mit viel Interesse und Herzblut für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und Blindheit. Sie übernahm Verantwortung in der Kommission Hörsehbehinderung und Taubblindheit sowie in der Personalvorsorgekommission. Niemals vergass sie, den Vorstandsmitgliedern zu Feiertagen Glückwünsche aus dem Tessin zu senden. Ihre feinfühlige Art und empathischen Wortmeldungen werden im Vorstand fehlen.

Susanne Gasser
«Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.» Dieses Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach passt treffend zu Susanne Gasser, die ebenfalls 2021 in den Vorstand gewählt wurde. Damals vom Blindenbund nominiert, vertrat die Wahl-Glarnerin zuletzt den Verein Physioblind. Einmal sagte sie in einem Interview: «Die Schweizer Gesellschaft ist nicht so blindenfreundlich – entweder traut man uns zu wenig zu oder will uns nichts zumuten. Da stosse ich immer wieder an.» Davon liess sie sich nie beirren. Unermüdlich setzte sie sich mit grossem Engagement für Menschen mit Beeinträchtigungen ein – ihre Voten im Vorstand waren stets prägnant und auf den Punkt. Sie präsidierte die Hilfsmittelkommission und demonstrierte an einer Vorstandssitzung in Genf den neuesten Blindenstock gleich selbst. Nach ihrem Austritt aus dem Vorstand bleibt ihr nun hoffentlich etwas mehr Zeit für ihr grosses Hobby, das Tanzen – und natürlich für die Berge.

Urs Hiltebrand
Barrierefreiheit und der Zugang zu Technologie für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und Blindheit – das sind die Themen, für die sich Urs Hiltebrand seit 2021 im Vorstand mit Scharfsinn und pointierten Aussagen eingesetzt hat. Wie können junge Menschen besser aufs Berufsleben vorbereitet werden? Wie lässt sich gesellschaftliche Teilhabe durch Technologie stärken? Diese Fragen trieben ihn an – im Vorstand wie in der von ihm präsidierten Kommission Berufseingliederung. Genau dieses Ziel verfolgt auch seine Stiftung AccessAbility, der er sich nach seinem Ende des Vorstandsmandats beim SZBLIND wieder vermehrt widmen dürfte.

Thomas Dietziker
«Die einzige Möglichkeit, grossartige Arbeit zu leisten, besteht darin, das zu lieben, was man tut.» Dieses Zitat von Steve Jobs trifft auf Thomas Dietziker in besonderer Weise zu. Insgesamt 17 Jahre hat er den Vorstand entscheidend geprägt, davon neun als Präsident. Thomas Dietziker ist ein Mensch mit Visionen – einer, der das grosse Ganze im Blick behält, ohne je das Gespür für die wichtigen Details zu verlieren. Mit Fingerspitzengefühl, diplomatischem Geschick und feinem Humor hat er den SZBLIND als Präsident umsichtig geführt. Ein unverbesserlicher Optimist mit der nötigen Beharrlichkeit und der Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten. Auch in schwierigen Situationen zeigte er Mut und unterstützte, wo Unterstützung nötig war. Stets standen die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbeeinträchtigung, Blindheit und Taubblindheit im Zentrum seines Handelns. «Gemeinsam» ist das Wort, das seine Art der Zusammenarbeit am treffendsten beschreibt: Gemeinsam erreichen wir mehr – gemeinsam sind wir eine starke Stimme.

Carmelina Castellino
ist Direktorin der Blindenschule Zollikofen und seit 2017 Mitglied des Vorstands des SZBLIND. Als Seconda mit italienischen Wurzeln bringt sie eine besondere Verbundenheit zur italienischsprachigen Schweiz mit – und zur Vielfalt, die den Verband prägt. Ihre erste Begegnung mit der Welt des Sehbehinderten- und Blindenwesens erlebte sie 2012 an einer Delegiertenversammlung des SZBLIND – damals erst drei Wochen im Amt beim Elternverein Visoparents. Die Faszination war sofort da, der Entschluss, sich einzubringen, ebenso.

