Hörbuch-Tipp



Theres Essmann: Schwarzer Schwan
axifahrer Jürgen bekommt einen Anruf eines Mannes namens Federico Temperini, der einen Chauffeur sucht. Jürgen ist von der ruppigen Art des alten Mannes vor den Kopf gestossen und von dessen Anfrage überrascht, denn anders als sein Vater, der tatsächlich Chauffeur war, ist er einfach Taxifahrer. Doch die Konditionen sind gut und so sagt er zu. Er fährt Temperini in ein Konzert der Philharmonie und auch wieder nach Hause. Temperini findet für die Aufführung nur harsche Worte. Und lässt seine Verehrung für den «Teufelsgeiger» Niccolò Paganini durchblicken.
Das Ganze wiederholt sich mehrmals. Temperini beginnt, Bilder und Konzertbewertungen über Paganini in Jürgens Honorarumschlag zu stecken. Auch auf den Taxifahrten schwärmt er so sehr von Paganini, dass sich Jürgen, der mit klassischer Musik sonst nichts anfangen kann, über den berüchtigten Geigen-Virtuosen schlau macht. Eines Abends steckt im Couvert eine Konzertkarte für Jürgen, da Paganinis Werke aufgeführt werden. Während all dieser Vorgänge bemerkt Jürgen, dass die linke Hand des alten Mannes verformt und unbrauchbar ist. Jürgen kämpft derweil mit seinen eigenen Dämonen: Sein Teenagersohn, den er seit der Scheidung nur noch sporadisch sieht, will nach dem Abi mit seinem Stiefvater auf Reisen gehen anstatt mit Jürgen. Der ist so verletzt, dass es deswegen zu einem heftigen Streit mit dem Sohn kommt. Es ist ausgerechnet Temperinis ruppige Anwesenheit, die zu einer überfälligen Aussprache zwischen den beiden führt. Und dann ist eines Abends ein Dokument im Honorarumschlag von Temperini, das Jürgen ihn in einem ganz neuen Licht sehen lässt. Schliesslich löst sich auch das Rätsel, was die beiden ungleichen Männer zusammengeführt hat.
Der kurze Roman, der eher eigentümlich beginnt, geht einem am Schluss sehr ans Herz. Man spürt, dass diese Begegnung Jürgens Leben und seine Sicht auf die Dinge verändert hat, und ist gerührt darüber, an dieser ungewöhnlichen Freundschaft teilgehabt zu haben.

Essmann, Theres: Schwarzer Schwan
Zürich: Dörlemann, 2025. Ausleihe: DS 62497

Braille-Tipp



Robert Preis: Waldestod
Die Wiener Journalistin Emmi hat gerade beschlossen, ihren Job zu kündigen, als sie einen verlockenden Reportageauftrag bekommt: In der Steiermark ist es zu einer Hochwasserkatastrophe gekommen und Emmi soll für mehrere Tage vor Ort berichten. Nach ersten Recherchen begibt sich Emmi in das Ferienhaus eines Redaktionskollegen, in dem sie wohnen darf. Nicht erst im verwunschenen Dörfchen Rabenwald beschleicht Emmi ein mulmiges Gefühl. Es herrscht eine bedrückende Stimmung in dem abgeschiedenen Tal. Bei einem Spaziergang im Wald stösst Emmi auf eine Gruppe Menschen, die in Plastikschutzkleidung gehüllt kranke Bäume untersuchen und etwas in die Wurzeln zu injizieren scheinen. Emmi wittert eine Story, doch ihr wird unmissverständlich nahegelegt, ihre Nachforschungen einzustellen. Was als einfacher Reportageauftrag begann, entwickelt sich spätestens nach einem als Suizid getarnten Mord an einem Forstaufseher zu einer Verschwörung voller undurchsichtiger Verflechtungen.

Preis, Robert: Waldestod
Köln: Emons Verlag, 2025. 4 Bd. 455 S. Ausleihe: BG 42789


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Alle vorgestellten Bücher sind ausleihbar bei der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte: nutzerservice@sbs.ch, Telefon 043 333 32 32, www.sbs.ch.